Die andere Dimension

Ich wurde kürzlich gefragt, ob die Annahme, es könne eine andere, höhere Dimension als die für uns sichtbaren und bekannten Dimensionen geben, nicht ein wenig zu weit hergeholt sei.

Abgesehen davon, dass einige Theorien und Annahmen, die sich mit quantenmechanischen Gesetzmäßigkeiten befassen, die Existenz weiterer Dimensionen als mathematisch zwingend voraussetzen, ist die Annahme nicht nur ein Produkt schriftstellerischer Phantasie.
Ich lasse mit einem kurzen Zitat hier einmal den bekannten Physiker und Schüler Werner Heisenbergs, Professor Hans Peter Dürr aus einem Dialog mit der Philosophin Marianne Oesterreicher zu Wort kommen. Entnommen dem Buch „Wir erleben mehr als wir begreifen – Quantenphysik und Lebensfragen“

Dürr: „Wir sind im Dreidimensionalen zu Hause, aber die größere Wirklichkeit, in die wir eingebettet sind, hat eben nicht diese Eigenschaft.“
Oesterreicher: Das klingt gar nicht so mathematisch. Solche Aussagen faszinieren mich, weil der Physiker damit über seinen eigenen Kompetenzbereich hinausgeht, aber doch ganz konsistent bleibt innerhalb seines eigenen Denkens. Für mein intuitives Verständnis hat es nichts Überraschendes, nein stärker: etwas Bestätigendes, wenn wir zugleich in mehreren Räumen leben sollten.
Welche Wirklichkeitsfülle könnte, analog zu unserer dreidimensionalen Lebenswirklichkeit, in den mehrdimensionalen Räumen verborgen sein, die die Mathematik zwar schlüssig, aber nur völlig abstrakt mit ihren Gedankeninstrumenten berühren kann.
Auf diesem Weg lässt sich ahnen, warum Ja und Nein, Tod und Geburt einander nicht auszuschließen brauchen. Wenn wir wirklich in verschiedenen ‚Welten‘ zugleich leben, dann kann Tod in der einen zugleich Geburt in einer anderen sein.

Angesichts einer solchen Diskussion zwischen Physiker und Philosophin, erscheint mir mein Ausflug in die Dimensionen der Phantasie nur als ein kurzer Abstecher in einen sehr weiten Raum. Im zweiten Band meiner Jenseits-Trilogie wird der Rahmen ein wenig erweitert und ich hoffe, meine geschätzten Leser, werden mir bei diesem Ausflug gedanklich folgen.

Advertisements

Der Abschied vom Verstehen

JP2

Wenn die Menschen die Wahl haben zwischen den Theorien fehlbarer Menschen und den unfehlbaren Offenbarungen eines allwissenden Gottes, sind sie geneigt, dem begrenzten menschlichen Verstand den Vorzug zu geben.
(Papst Franziskus – Das Jenseits Projekt)

Der Physiker Hans-Peter Dürr, langjähriger Mitarbeiter Werner Heisenbergs, schrieb in seinem Buch „Geist, Kosmos und Physik“ auch über unsere Unfähigkeit, die Welt als Ganzes zu sehen und zu verstehen. Unter der Überschrift „Erkennen verändert die Welt“, schrieb er:

„Wenn wir von der Welt sprechen, in die Welt hineinsehen, dann vergleichen wir unsere Bilder miteinander und sind oft verschiedener Meinung. Wir machen den Fehler zu glauben, dass das, was jeder von uns in dieser Welt sieht, dasselbe ist, das auch der andere sieht. Aber es ist durch unsere spezielle Wahrnehmung gefiltert und deformiert. Denn dort, wo wir empfindlich sind, nehmen wir mehr wahr, und dort, wo wir unempfindlich sind, nehmen wir überhaupt nichts wahr. Das heißt, die wahrgenommene Welt ist eine ganz andere als die Welt da draußen.“

Unser menschlicher Drang zu erkennen, unsere große Sehnsucht danach, zu wissen und zu verstehen, haben uns an einen Punkt geführt, der unser Begriffsvermögen bei weitem übersteigt. So kommt der berühmte Physiker Dürr denn auch zu dem Fazit:

Auch die Wissenschaft spricht nur in Gleichnissen. Die Wissenschaft hat ihre Vorrangstellung eingebüßt. Wir haben immer gemeint, wir Wissenschaftler können sagen, was ist und was nicht ist. Jetzt müssen wir aber einsehen, dass auch wir streng genommen in Gleichnissen reden müssen.“

Das kann den menschlichen Geist auf Dauer nicht befriedigen. Wenn Dürr schreibt, „wir wollten die Welt in den Griff bekommen“, dann beschreibt das den menschlichen Wunsch, der schon in der biblischen Überlieferung mit den Worten „sein wie Gott“ beschrieben wird.

Der Mensch, am Ende seiner Erkenntnismöglichkeiten angelangt steht vor dem Dilemma, dass nichts so ist, wie es zu sein scheint. Wie Dürr als Fazit seiner Forschungen es ausdrückt – es gibt keine Teile, die es zu erforschen gilt, sondern nur die Welt als das Eine und Ganze. Keine Materie, sondern nur Energie, Wellen, die innere Formen oder Gestalten bildet. Er nennt diese Erkenntnis den Abschied vom endgültigen Verstehen.

Was vielleicht bleibt, ist der Versuch, sich dieser Energie, der wir den Namen „Gott“ geben könnten, zu nähern und so unseren begrenzten Erkenntnishorizont zu überwinden.